Text: Konstantin Maier, Fotos: Daniel Fuchs

In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken, man jahrelang im Moss liegen könnte.

Franz Kafka

Hinter den Weinbergen der Deutschen Weinstraße erhebt sich groß und eindrucksvoll der dunkelgrüne Pfälzerwald. Ein wahres Reich für bewusstes Erleben und körperliche Erfahrung. Längst gelten hier andere Maximen als schneller, höher, weiter. Eine differenziertere Radkultur wird vor allem in Verbindung zur Natur spürbar. Das Fahrradfahren bekommt heute ein viel sichtigeres und kulturelleres Bedeutungsfeld. Längst geht es dem Biker nicht mehr ausschließlich um knackige Steigungen, steile Abhänge oder schnelle Zeiten. Das Fahrrad ist ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit geworden. Ein Objekt des Moments und der Verschmelzung des Selbst und der Welt. Im leisen Rauschen wird im Pfälzerwald der Kopf frei, die Sinne geschärft. Der Geruch von Waldboden, Tannenharz und modrigem Laub steigt einem in die Nase, Sonnenstrahlen funkeln hier und da durch das dichte Geäst. Hier ein schmaler Pfad, dort eine windige Abfahrt.

Schon längst ist der Weg zum Ziel geworden, das Radeln zur Hauptsache. Die Wege mit eigener Muskelkraft und an der frischen Luft zu bewältigen, ist eine sehr menschliche Dimension. Meditativ von einer Lichtung zum nächsten Aussichtspunkt streifendentdeckt man die Welt neu. Die Natur ist ursprünglich und das lässt sie einen spüren. Ruhe, Stille, Achtsamkeit: Der Wald fordert nicht, er regt an. Nicht umsonst kam Einstein auf dem Rad die Idee zu Relativitätstheorie. In unserer schnelllebigen und zukunftsgewandten Gesellschaft sind Zeit, Raum und Muße für ein ruhiges Aufatmen knapper denn je. Dauernde Erschöpfung vieler Menschen ist die Folge. Dabei wissen wir doch eigentlich: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Wir müssten uns nur ein bisschen öfter daran erinnern.  

Dass die Bewegung an der frischen Luft auch noch gesund ist, scheint wie eine Nebensächlichkeit. 1982 regte die staatliche japanische Forstbehörde an, Ausflüge in den Wald als Bestandteil eines guten Lebensstils zu integrieren. Japanische Wissenschaftler haben mittlerweile anhand verschiedener Studien entdeckt, dass der Aufenthalt im Wald wie eine Art Aromatherapie wirkt, die für die Gesundheit förderlich ist. Längst ist „Shinrin-yoku“, zu Deutsch „Waldbaden“, zu einer anerkannten Stress-Management- Methode avanciert.

 

 

Immer wieder führen kleine Pfade von der Straße auf bewaldete Anhöhen. Der herbwürzigen Einladung der Kiefern, die in der Sonne duften, ist schwer zu widerstehen.

Immer wieder führen kleine Pfade von der Straße auf bewaldete Anhöhen. Der herbwürzigen Einladung der Kiefern, die in der Sonne duften, ist schwer zu widerstehen.

Fahrradfahren als Naturerlebnis

Erholung und Sport, diese beiden Komponenten reichen sich im Mountainbikepark Pfälzerwald die Hand. Das Streckennetz wurde erweitert und näher an den Haardtrand und die Weinstraße herangezogen. Von dort aus geht es durch Mandelhaine und vorbei an Feigen, Edel-Kastanien, mediterranen Kiefern und Zypressen hinauf in den Wald. Über 900 Kilometer gibt es jetzt dort zu „erfahren“. Die Strecken führen vorbei an den einzigartigen Felslandschaften, über verschlungene Pfade, entlang eindrucksvoller Aussichten. Technische Abfahrten gehen wieder in anspruchsvolle Anstiege über. Hier kann man innerlich zur Ruhe kommen, während der Körper sich gesund tobt.

 

Echtes Handwerk

Eingebettet in die idyllische Landschaft der Deutschen Weinstraße befindet sich in einer Garage in Roschbach die Fahrrad-Manufaktur Tannenwald. Stefan Lichtner und Rüdiger Kupper sind seit sie denken können auf dem Mountainbike unterwegs. Die Fahrrad-Manufaktur verbindet Materialqualität, Design, Handwerk und Leidenschaft. Gemeinsam haben sie es geschafft den Werkstoff Stahl auf dem Mountainbike-Markt wiederzubeleben. Schneller, höher, weiter, das ist nicht unbedingt das Credo des Duos. „Wir sind beide mit der Natur großgeworden“, erzählt Rüdiger. Bei dieser Umgebung sei es schließlich kein Wunder, dass man schon früh versucht, die Umgebung auf zwei Rädern zu erkunden.

Der Rahmen ist die Seele des Fahrrads

Ihre Liebe zum Radsport haben beide schon früh entdeckt. Rüdiger und Stefan haben schon einige Höhenmeter in den Beinen. Durch die Erfahrung im Sattel können sie die Trails, also speziell für Mountainbikes errichtete Wege, besser lesen. „Das ist etwas ganz anderes als wenn du mit deiner Voll-Federung und deinem Integralhelm über alles drüber bügelst und dein Rad alles schluckt“, ergänzt Stefan. Die Leidenschaft ging schnell soweit, dass sie sich auch beruflich damit verbanden. „Uns beiden war klar, was wir wollten: Solides Handwerk, Nachhaltigkeit, Regionalität und trotzdem auf Höhe der Zeit mit gutem Design.“ Da kam ihnen die Idee mit den Stahlrahmen. Zu dieser Zeit war der Markt für Stahlrahmen-Mountainbikes quasi tot. Gemeinsam tüfteln sie an Plänen, Konstruktionen und Ideen. „Bei Stahl hast du einfach diesen Handwerksbezug, diesen schöpferischen Moment, bei dem aus einigen Stahlrohren durch Mühe und Können ein Rad entsteht.“ „Alles ist wichtig, es geht ums kleinste Detail“

„Unsere Kunden suchen ein Rad mit Seele,“ so Rüdiger. Warten mache ihren Kunden nichts aus, denn hier geht es um jede Kleinigkeit, etwa wie die Bremszüge angebracht sind, ob die Geometrie zum Körper passt … Alles ist wichtig. Der schönste Moment ist für die Rahmenbauer die Übergabe. „Der Kunde ist von der ersten Schweißnaht an dabei“, so Rüdiger. „Oft kommt es vor, dass andere in die Kirche gehen und ich noch ein Fahrrad poliere und dem Kunden die Fotos schicke. Manchmal denken wir schon, wir sind verrückt. Sind wir auch, aber auf eine gute Art.“

Ein Park für Mountainbiker

Der Mountainbikepark ist ein weitreichendes Wegenetz verteilt über den gesamten Naturpark. An den Streckenmarkierungen lässt es sich leicht orientieren. Die Schwierigkeitsgrade entsprechen der Farbkodierung von Skipisten und berücksichtigten konditionelle sowie fahrtechnische Voraussetzungen. Sie gehen von Blau (leicht) über Rot (anspruchsvoll) bis hin zu Schwarz (schwierig). Einsteigen kann man eigentlich überall. Eine gute Übersicht geben die Rad-Infotafeln oder die Webpage. Hier können für alle Touren auch GPS-Daten heruntergelden werden.

https://www.mountainbikepark-pfaelzerwald.de/

Tannenwald Bikes aus der Pfalz

"Klassischer Stahlrahmenbau - modern interpretiert. Ehrlich und echtes Handwerk. Kein aufgesetztes Markenimage, keine MArketing geprägte Superlative." dahinter stehen Rüdoger Kupper und Stefan Lichtner von tannenwald-Bikes. Ihre lange Erfahrung im Fahrradgeschäft lassen sie voller Hingabe in die Bikes ihrer kleinen Manufaktur einfließen.

www.tannenwald-bikes.de