„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“



Getreu diesem Sprichwort stellen wir hier eine Auswahl an Projekten & Initiativen vor, die für verantwortungsvolles und bewusstes Handeln in unserer Region stehen.


Die Schwärmerei


In der Schwärmerei in Weisenheim am Berg findet man hochwertige Produkte aus der Region wie Gemüse, Obst, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Brot, Honig, Feinkost und viele andere regionale Erzeugnisse, auch in Bioqualität. Im Angebot sind regionale und nachhaltige Erzeugnisse, die man nicht unbedingt im Supermarkt findet - ohne Zwischenhandel und zu fairen Preisen. Die Erzeuger sind selbst vor Ort, um ihre Waren zu übergeben - ganz wie auf einem Wochenmarkt. Ein Slogan der Marktschwärmer ist deshalb auch: "Gib Deinem Bauern die Hand".

SDG-Modellregion Pfälzerwald


Die Ortsgemeinde Kallstadt ist eine von insgesamt acht Kommunen, die sich an dem Projekt "Pfälzerwald: SDG-Modellregion für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz" beteiligen. Dabei sollen kommunale Nachhaltigkeitsstrategien mit konkreten Aktionsplänen entwickelt werden, die später auch von anderen Kommunen für ihre Zukunftsplanung genutzt und realisiert werden können.

©Dominik Ketz Photography

©Dominik Ketz Photography


©VG Lambrecht

©VG Lambrecht

©VG Lambrecht

©VG Lambrecht

Trifterlebnispfad Elmstein


Der Trifterlebnispfad im Legelbachtal bei Elmstein erschließt die ehemaligen Triftanlagen am großen und kleinen Legelbach, mitten im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Im 19. Jahrhundert wurden die beiden Bäche zum Triften für Holz genutzt. Darunter versteht man die Verfrachtung von Holzstücken auf dem Wasserweg. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um Brennholz, welches aus dem Legelbachtal bis zum Rhein getriftet wurde. Im Rahmen eines umfassenden Projekts wurde diese Triftanlagen in den Jahren 2017 bis 2020 erschlossen und für Besucher erlebbar gemacht. Die Maßnahme wurde durch die Aktion Blau Plus gefördert und stand im Fokus der Gewässerentwicklung.

Nach der Entnahme von Bäumen und Sträuchern zum Erhalt und zur Aufwertung der Anlagen wurde großflächig der Neophyt „Japanischer Knöterich“ mit schwarzer Folie abgedeckt. Diese Bekämpfung findet noch immer statt. Eine große Baumaßnahme stellte die Sanierung des Ablaufs an der Ludwigsklause dar. Außerdem wurden die Einwurfplätze für zu triftendes Holz, sog. Bollerplätze, wieder sichtbar und ein sog. Tosbecken durch eine Brücke überquerbar gemacht. Des Weiteren erfolgte die Instandsetzung der Wanderwege und ehemaligen Triftwege entlang der Gewässer. Aufgewertet mit Schautafeln und einer Audiotour wird dem Besucher heute die Historie bildlich nahegebracht. Das gesamte Wanderwegeprojekt bildet in seiner Form drei aufeinanderfolgende Kreise. Der Naturliebhaber kann hier die Stille und Erholung des Waldes und der Gewässer genießen und erleben.

Die damit geschaffene Anlage ergänzt das Informationsangebot zur Wasserkraftnutzung, Wald- und Forstarbeit sowie Holzbeförderung im Elmsteiner Tal. Sie stellt einen weiteren Baustein im Natur- und Kulturerbe des Pfälzerwaldes dar. Aus dem Dornröschenschlaf erwacht wurde das Tal zu einem Meilenstein für den nachhaltigen Tourismus in der Verbandsgemeinde Lambrecht (Pfalz).


Beweidungsprojekt in Gräfenhausen


Auf einem markierten Rundweg um das Gelände des Beweidungsprojekts auf dem Gräfenhausener Wingertsberg kann man die Offenhaltung der ehemals verbuschten Weinbergterrassen durch naturnahe Mischbeweidung beobachten. Attraktive Aussichtspunkte geben immer wieder Blicke auf die abwechslungsreiche Kulturlandschaft und den Trifels frei. Außerdem lernt man das tierische Landschaftspflegeteam bestehend aus Auerochsen, Ziegen und Eseln kennen. Die vierbeinigen Biotoppfleger gestalten das 13 Hektar große Projektgebiet. Ziegen sind als gute Kletterer am Steilhang bestens geeignet. Sie fressen neben Kräutern und Gräsern gerne Laub und vor allem im Winter die Rinde von Gehölzen. Die Auerochsen bzw. Heckrinder sind in erster Linie Grasfresser naschen aber auch gerne einmal an jungen Trieben von Hecken und Sträuchern. Sogar junge Bäume werden gerne niedergeritten. Auch Esel sind Grasfresser, Holz und Rinde stehen jedoch ebenso auf ihrem Speiseplan. Außerdem kann das Fleisch der natürlich gehaltenen Rinder erworben werden.

©TIZIE Photographie

©TIZIE Photographie


©Verbandsgemeinde Leiningerland, Foto: Bernd Findt

©Verbandsgemeinde Leiningerland, Foto: Bernd Findt

Renaturierungsprojekt Ebertsheim/Eisenberg


Im Laufe des Jahres 2019 wurde der Eisbach zwischen Ebertsheim und Eisenberg renaturiert. In einem der größten Renaturierungsprojekte in Rheinland-Pfalz wurden 25.000 Kubikmeter Erde verschoben, um dem Eisbach sein mäandrierendes Bachbett zurück zugeben. Seit dem Abschluss der Tiefbauarbeiten Ende 2019 fließt der Eisbach nun wieder wie in Urzeiten durch sein ursprüngliches, kurvenreiches Bett. Seitdem erobert sich die Natur wieder Stück für Stück das Gelände zurück. Bereits im Frühjahr und Sommer 2020 zeigte sich eine üppige Vegetation.

Auf dem Renaturierungsgebiet sind auch ein Aussichtturm und ein Wasserspielplatz entstanden, so dass das Gelände auch zu einem beliebten Naherholungsgebiet für die Bevölkerung und zu einer gern besuchten Raststätte für Radtouristen, die auf dem nahe gelegenen Barbarossa-Radweg unterwegs sind, wurde.
Das Projekt wurde auf Initative der Ortsgemeinde Ebertsheim zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Andreas Valentin geplant und durchgeführt. Zudem wurde es filmisch von Robert Schwarz, einem lokalen Autor und Filmemacher, dokumentiert.


Beweidungsprojekt St. Martin


Auf einer Waldfläche von ca. 44 Hektar beweiden derzeit zehn Heckrinder das Gebiet in der Nähe des Sandwiesenweihers im St. Martiner Tal. Die Wildrinder (benannt nach den Züchtern, Gebrüder Heck, aus den 1920er Jahren) ähneln dem längst ausgestorbenen Auerochsen. 2011 wurde das Projekt gestartet und seitdem stehen die Rinder im Dienste der Landschaftspflege. Sie sollen nämlich dafür sorgen, dass die Landschaft im Tal nicht verbuscht und zuwächst. Inzwischen sind dadurch schon einige Lichtungen entstanden.

Rund um das Beweidungsgebiet verläuft auch der Auerochsenweg, ein leichter Wanderweg von 4,6 km Länge. Regelmäßig gibt es auch Führungen rund um das Gelände. Hier werden den Teilnehmern das Projekt und die Tiere näher gebracht. Die genauen Termine sind im Veranstaltungskalender der Tourist-Info St. Martin zu finden.

©Südliche Weinstraße e.V., Foto: Sara Raptopoulos

©Südliche Weinstraße e.V., Foto: Sara Raptopoulos


©Gemeinde St. Martin

©Gemeinde St. Martin

Lebensturm und Bienenhotel


Vögel, Insekten, Igel und Eidechsen finden in unseren landwirtschaftlich geprägten Gegenden oft nicht mehr die nötigen Lebensräume. Mit einem Lebensturm schuf das Dorf St. Martin auf engstem Raum eine neue Bleibe für verschiedensten Arten und unterstützt so den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.

Auf einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter wurden verschiedene Etagen, die ideal auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner angepasst sind, übereinander gebaut. In den unteren Etagen finden sich heimische Sandsteine als Unterschlupf für Eidechsen und Laubhügel als Überwinterungsmöglichkeit für Igel. Darüber gibt es Etagen mit Geäst, Schilfgräsern oder altem morschem Holz, in denen verschiedenste Käfer, Holzbienen, aber auch Hornissen und Wespen Baumaterial für ihre Unterkünfte finden können. Nistkästen und Brutröhren für Vogelarten wie Bachstelzen und Rotschwänze sind in den oberen Stockwerken angebracht.

In St. Martin bekommen darüber hinaus speziell Bienen und Wespen Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Nistplätzen. Als Bestäuber und Insektenjäger sind sie die wichtigsten Arbeitskräfte der Landwirtschaft und somit für uns Menschen unverzichtbar. Doch das Nistangebot für die fleißigen Helfer wird – gerade durch uns – immer weiter eingeschränkt. Deswegen wurden an verschiedenen Stellen in St. Martin eine Vielzahl von Bienenhotels angebracht. In diesen finden vor allem solitär lebende Wildbienen wie z.B. die Mauerbiene aber auch Wespen optimale Nistbedingungen. Die Bienenhotels werden aus regionalen Rohstoffen von der Gebrüder Ullrich Realschule Plus in Maikammer angefertigt und können auch im Mitbringselshop des Dorfes erworben werden.


Biotop und Geotop Am Kirchenberg


Als Außenstelle des Museums für Weinkultur möchte das Areal rund um den Kirchenberg die Verbindung von Nachhaltigkeitsaspekten im Weinbau mit verschiedenen kulturhistorischen Themen des Museums darstellen. Die Landschaft bietet dem interessierten Besucher einen Blick in die Praxis des Weinbaus, der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes. Zudem führt der Wanderweg "Deutsche Weinstraße" am Biotop und am Geotop vorbei.

In dem rund 12 Hektar großen Areal am Kirchenberg oberhalb von Deidesheim wurde die gewachsene Kulturlandschaft mit Weinbergterrassen und Streuobstwiesen für die Zukunft gesichert. Ziel des Projektes ist einerseits die Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaft, andererseits soll es zeigen, dass Natur- und Umweltschutz bei gleichzeitiger Nutzung durch den Mensch möglich sind. Die Lebensbedingungen für eine Vielzahl von zum Teil seltenen Tieren und Pflanzen konnten durch den Erhalt langfristig gesichert werden. Wege und Rampen wurden im Rahmen der Arbeiten angelegt, wucherndes Gehölz entfernt und die Waldbäume, die sich im Laufe der Jahre stark ausgebreitet hatten, teils abgeholzt. Weinbergterrassen wurden wieder freigelegt, Trockenmauern ausgebessert und Weinberge sowie Streuobstwiesen neu angelegt. Durch diese Arbeiten erhielt das Gebiet auch wieder für Wanderer, Touristen und Naturliebhaber neue Attraktivität. Aufgrund ihrer Lage können die Weinberge nur mit der Hand bearbeitet werden. Für den interessierten Besucher bietet sich dadurch die Möglichkeit vor Ort dem Winzer bei der „Handarbeit wie vor vielen Jahren“ zuzuschauen. Daher ist der Kirchenberg auch eine Außenstelle des Museums für Weinkultur, das hiermit neben der Theorie im Museum, auch einen Blick in die Praxis des Weinbaus und des Umweltschutzes ermöglicht. Diese Kombination ist einzigartig in Rheinland-Pfalz.

Am Einbruch des Oberrheingrabens oberhalb von Deidesheim erhält man in unvergleichbarer Weise einen Einblick in die Geschichte unserer Erde. Am Waldrand oberhalb des Kirchenbergs ist am Abbruch vom Oberrheingraben zum Gebirgsrücken der Mittelhaardt der intensiv verwitterte Sandstein mit zahlreichen Verformungen deutlich sichtbar. Für geologisch Interessierte ist an der senkrechten Böschungswand sehr gut der Buntsandstein zu erkennen, der mit einer scharfen Linie an eiszeitlichen Löss grenzt. Dieses Phänomen ist entlang des Rheingrabens nur an sehr wenigen Stellen so deutlich erkennbar. Drei Schautafeln erläutern die geologische Bedeutung des 2019 als Deutsches Geotop ausgezeichneten Deidesheimer Geotops.

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim


©Tourist Information Bad Dürkheim

©Tourist Information Bad Dürkheim

©Tourist Information Bad Dürkheim

©Tourist Information Bad Dürkheim

Erhalt wertvoller Kulturlandschaften


Vieles, was Gäste an der Deutschen Weinstraße genießen, wächst und lebt hier und wird gelebt. Die Region lockt alle, die anspruchsvoll und genussorientiert, achtsam und bewusst leben. Diese Menschen wünschen qualitativ hochwertige, heimische Produkte, die nachhaltig hergestellt wurden und die, genau wie ihre Macher auch, eine Geschichte erzählen. Sie hinterfragen Herkunft und legen Wert auf Produkte, die aus ebenso authentischen, intakten Natur- und Kulturlandschaften kommen. Neben dem Wein ist die Mandel ein typisches Genuss-Produkt. Erlebbar sowohl in der Landschaft, wenn im März tausende von Mandelbäumen die Weinberge in einen Rosa Traum verwandeln, als auch als regionale Spezialität.

Im Rahmen der Profilierung innerhalb der „Nachhaltigkeitsregion Deutsche Weinstraße“ erhält und bereichert die Stadt Bad Dürkheim mit der Pflanzung von bis zu 100 Mandelbäumen und der Pflege zahlreicher Mandelbaum-Veteranen die ursprüngliche Kulturlandschaft. Dabei wird Wert gelegt auf Vielfalt (Weiße Essmandeln, rosa Ziermandeln, verschiedene Mandelsorten und „Local Heroes“ wie z.B. die Dürkheimer Krachmandel) und auf Ursprünglichkeit: Teil des Projektes ist die Veredelung fast „ausgestorbener“ Mandelsorten. Reiser von Exemplaren seltener lokaler Mandelsorten werden zu neuen Bäumen veredelt mit dem Ziel, auch Bäume nach zu pflanzen, die aus Reisern von seit Jahrzehnten hier gewachsenen Bäumen gemacht sind. Für alle neu gepflanzten Bäume wurden Patenschaften unter den Bürgern und Firmen Bad Dürkheims vergeben. Jeder Baum hat nun „seinen“ Menschen gefunden, dessen Name zusammen mit der Mandelsorte auf einem persönlichen Schild am Baum „verewigt“ ist.

Herzstück des Mandelbaum-Projektes ist die Bad Dürkheimer Mandelterrasse, die im Jahr 2021 an prominenter Stelle auf dem Michelsberg unterhalb der Michaeliskapelle mit über 10 Mandelbäumen, einem Terroir-Tisch, einer Blühwiese und der Einbeziehung historischer Trockenmauern entstehen wird.
Inszeniert wird diese im wahrsten Sinne des Wortes „kostbare“ Landschaft durch Veranstaltungen (Weinbergnacht), Programme (Mandelführungen) und regionale Tourismuskampagnen (Rosa Wochen an der Weinstraße).