„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“

Getreu diesem Afrikanischen Sprichwort möchten wir eine Auswahl an kleineren und größeren Projekten und Initiativen vorstellen, die für verantwortungsvolles und bewusstes Handeln in unserer Region stehen.

Die Schwärmerei

In der Schwärmerei in Weisenheim am Berg findet man hochwertige Produkte aus der Region wie Gemüse, Obst, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Brot, Honig, Feinkost und viele andere regionale Erzeugnisse, auch in Bioqualität. Im Angebot sind regionale und nachhaltige Erzeugnisse, die man nicht unbedingt im Supermarkt findet - ohne Zwischenhandel und zu fairen Preisen. Die Erzeuger sind selbst vor Ort, um ihre Waren zu übergeben - ganz wie auf einem Wochenmarkt. Ein Slogan der Marktschwärmer ist deshalb auch "Gib Deinem Bauern die Hand".

SDG-Modellregion Pfälzerwald

Die Ortsgemeinde Kallstadt ist eine von insgesamt acht Kommunen, die sich an diesem Projekt "Pfälzerwald: SDG-Modellregion für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz" beteiligen. Dabei sollen kommunale Nachhaltigkeitsstrategien mit konkreten Aktionsplänen entwickelt werden, die später auch von anderen Kommunen für ihre Zukunftsplanung genutzt und realisiert werden können.

©Matthias Ketz Photographie

©Matthias Ketz Photographie

©Verbandsgemeinde Leiningerland, Foto: Bernd Findt

©Verbandsgemeinde Leiningerland, Foto: Bernd Findt

Renaturierungsprojekt Ebertsheim/Eisenberg

Im Laufe des Jahres 2019 wurde der Eisbach zwischen Ebertsheim und Eisenberg renaturiert. In einem der größten Renaturierungsprojekte in Rheinland-Pfalz wurden 25.000 Kubikmeter Erde verschoben, um dem Eisbach sein mäandrierendes Bachbett zurück zugeben. Seit dem Abschluss der Tiefbauarbeiten Ende 2019 fließt der Eisbach nun wieder wie in Urzeiten durch sein ursprüngliches, kurvenreiches Bett. Seitdem erobert die Natur Stück für Stück das Gelände wieder für sich zurück. Bereits im Frühjahr und Sommer 2020 zeigte sich eine üppige Vegetation.

Auf dem Renaturierungsgebiet sind auch ein Aussichtturm und ein Wasserspielplatz entstanden, so dass das Gelände auch zu einem beliebten Naherholungsgebiet für die Bevölkerung und zu einer beliebten Raststätte für Radtouristen, die auf dem nahe gelegenen Barbarossa-Radweg unterwegs sind, wurde.
Das Projekt wurde auf Initative der Ortsgemeinde Ebertsheim zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Andreas Valentin geplant und durchgeführt. Zudem wurde es filmisch von Robert Schwarz, einem lokalen Autor und Filmemacher, dokumentiert.

Beweidungsprojekt in Gräfenhausen

Auf einem markierten Rundweg um das Gelände des Beweidungsprojekts auf dem Gräfenhausener Wingertsberg kann man die Offenhaltung der ehemals verbuschten Weinbergterrassen durch naturnahe Mischbeweidung beobachten. Attraktive Aussichtspunkte geben immer wieder Blicke auf die abwechslungsreiche Kulturlandschaft und den Trifels frei. Außerdem lernt man das tierische Landschaftspflegeteam bestehend aus Auerochsen, Ziegen und Eseln kennen. Die vierbeinigen Biotoppfleger gestalten das 13 Hektar große Projektgebiet. Ziegen sind als gute Kletterer am Steilhang bestens geeignet. Sie fressen neben Kräutern und Gräsern gerne Laub und vor allem im Winter die Rinde von Gehölzen. Die Auerochsen bzw. Heckrinder sind in erster Linie Grasfresser, naschen aber auch gerne einmal an jungen Trieben von Hecken und Sträuchern. Sogar junge Bäume werden gerne niedergeritten. Auch Esel sind Grasfresser, Holz und Rinde stehen jedoch ebenso auf ihrem Speiseplan. Außerdem kann das Fleisch der natürlich gehaltenen Rinder erworben werden.

©TIZIE Photographie

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Lernbauernhof Gut Hohenberg

Die Landauer Montessori Schule hat den Bauernhof, der in idyllischer Alleinlage bei Queichhambach zu finden ist, gekauft. Die Schule hat einen eigenen Hofladen, einen mobilen Hühnerstall und eine Solidarische Landwirtschaft auf der Agenda. Die Schüler werden dabei eine ganz besondere Rolle spielen.

Das Projekt ist ein zentrales Element der Montessori-Pädagogik, das auf 3 Säulen fußt: Die Jugendlichen betreiben Landwirtschaft, vermarkten ihre Produkte und führen das Gästehaus. Die bisherigen Hof-Mitarbeiter arbeiten weiterhin im Betrieb. Schüler der 7. und 8. Klasse tauschen schon bald für eine Woche im Monat das Klassenzimmer mit dem Bauernhof. Hierfür wird in den nächsten Monaten ein Übernachtungstrakt mit etwa 40 Betten gebaut. Bis Ende 2020 soll zudem eine Solidarische Landwirtschaft angestoßen werden. Auch für andere Schulen soll der Aufenthalt auf dem Lernbauernhof ermöglicht werden. Zudem soll es auch für Erwachsene Pädagogik-und Montessori-Kurse auf dem Hof geben.

Gut Hohenberg ist ein wichtiger Bestandteil im Angebot für Umweltbildung. Es ist ein Ort für naturnahes Lernen und erlebnisorientierte Bildungsaufenthalte. Bis zum Verkauf wurde der Lernbauernhof von der Stiftung Ökologie und Landbau bezuschusst. Seit 2004 erhalten Kinder und Erwachsene Einblicke in Zusammenhänge von ökologischer Landbewirtschaftungund und der Herstellung gesunder Lebensmittel. Außerdem gibt es eine Kooperation mit dem ortsansässigen Waldkindergarten.

Biotop und Geotop Am Kirchenberg

Als Außenstelle des Museums für Weinkultur möchte das Areal rund um den Kirchenberg die Verbindung von Nachhaltigkeitsaspekten im Weinbau mit verschiedenen kulturhistorischen Themen des Museums darstellen. Die Landschaft bietet dem interessierten Besucher einen Blick in die Praxis des Weinbaus, der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes. Zudem führt der Wanderweg "Deutsche Weinstraße" am Biotop und am Geotop Am Kirchenberg vorbei.

In dem rund 12 Hektar großen Areal am Kirchenberg oberhalb von Deidesheim wurde die gewachsene Kulturlandschaft mit Weinbergterrassen und Streuobstwiesen für die Zukunft gesichert. Ziel des Projektes ist einerseits die Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaft, andererseits soll es zeigen, dass Natur- und Umweltschutz bei gleichzeitiger Nutzung durch den Mensch möglich sind. Die Lebensbedingungen für eine Vielzahl von zum Teil seltenen Tieren und Pflanzen konnten durch den Erhalt langfristig gesichert werden. Wege und Rampen wurden im Rahmen der Arbeiten angelegt, wucherndes Gehölz entfernt und die Waldbäume, die sich im Laufe der Jahre stark ausgebreitet hatten, teils abgeholzt. Weinbergterrassen wurden wieder freigelegt, Trockenmauern ausgebessert und Weinberge sowie Streuobstwiesen neu angelegt. Durch diese Arbeiten erhielt das Gebiet auch wieder für Wanderer, Touristen und Naturliebhaber neue Attraktivität. Aufgrund ihrer Lage können die Weinberge nur mit der Hand bearbeitet werden. Für den interessierten Besucher bietet sich dadurch die Möglichkeit, vor Ort dem Winzer bei der „Handarbeit wie vor vielen Jahren“ zuzuschauen. Daher ist der Kirchenberg auch eine Außenstelle des Museums für Weinkultur, das hiermit neben der Theorie im Museum, auch einen Blick in die Praxis des Weinbaus und des Umweltschutzes ermöglicht. Diese Kombination ist einzigartig in Rheinland-Pfalz.

Am Einbruch des Oberrheingrabens oberhalb von Deidesheim erhält man in unvergleichbarer Weise einen Einblick in die Geschichte unserer Erde. Am Waldrand oberhalb des Kirchenbergs ist am Abbruch vom Oberrheingraben zum Gebirgsrücken der Mittelhaardt der intensiv verwitterte Sandstein mit zahlreichen Verformungen deutlich sichtbar. Für geologisch Interessierte ist an der senkrechten Böschungswand sehr gut der Buntsandstein zu erkennen, der mit einer scharfen Linie an eiszeitlichen Löss grenzt. Dieses Phänomen ist entlang des Rheingrabens nur an sehr wenigen Stellen so deutlich erkennbar. Drei Schautafeln erläutern die geologische Bedeutung des 2019 als Deutsches Geotop ausgezeichneten Deidesheimer Geotops.

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Verbandsgemeinde Deidesheim

©Südliche Weinstraße e.V., Foto: Sara Raptopoulos

©Südliche Weinstraße e.V., Foto: Sara Raptopoulos

Beweidungsprojekt St. Martin

Auf einer Waldfläche von ca. 44 Hektar beweiden derzeit zehn Heckrinder das Gebiet in der Nähe des Sandwiesenweihers im St. Martiner Tal. Die Wildrinder (benannt nach den Züchtern, Gebrüder Heck, aus den 1920er Jahren) ähneln dem längst ausgestorbenen Auerochsen. 2011 wurde das Projekt gestartet und seitdem stehen die Rinder im Dienste der Landschaftspflege. Sie sollen nämlich dafür sorgen, dass die Landschaft im Tal nicht verbuscht und zuwächst. Inzwischen sind dadurch schon einige Lichtungen entstanden.

Rund um das Beweidungsgebiet verläuft auch der Auerochsenweg, ein leichter Wanderweg von 4,6 km Länge. Regelmäßig gibt es auch Führungen rund um das Gelände. Hier werden den Teilnehmern das Projekt und die Tiere näher gebracht. Die genauen Termine sind im Veranstaltungskalender der Tourist-Info St. Martin zu finden.

Lebensturm und Bienenhotel

Vögel, Insekten, Igel und Eidechsen finden in unseren landwirtschaftlich geprägten Gegenden oft nicht mehr die nötigen Lebensräume. Mit einem Lebensturm schuf das Dorf St. Martin auf engstem Raum eine neue Bleibe für verschiedensten Arten und unterstützt so den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.

Auf einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter wurden verschiedene Etagen, die ideal auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner angepasst sind, übereinander gebaut. In den unteren Etagen finden sich heimische Sandsteine als Unterschlupf für Eidechsen und Laubhügel als Überwinterungsmöglichkeit für Igel. Darüber gibt es Etagen mit Geäst, Schilfgräsern oder altem morschem Holz, in denen verschiedenste Käfer, Holzbienen, aber auch Hornissen und Wespen Baumaterial für ihre Unterkünfte finden können. Nistkästen und Brutröhre für Vogelarten wie Bachstelzen und Rotschwänze sind in den oberen Stockwerken angebracht.

In St. Martin bekommen darüber hinaus speziell Bienen und Wespen Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Nistplätzen. Als Bestäuber und Insektenjäger sind sie die wichtigsten Arbeitskräfte der Landwirtschaft und somit für uns Menschen unverzichtbar. Doch das Nistangebot für die fleißigen Helfer wird – gerade durch uns – immer weiter eingeschränkt. Deswegen wurden an verschiedenen Stellen in St. Martin eine Vielzahl von Bienenhotels angebracht. In diesen finden vor allem solitär lebende Wildbienen wie z.B. die Mauerbiene aber auch Wespen optimale Nistbedingungen. Die Bienenhotels werden aus regionalen Rohstoffen von der Gebrüder Ullrich Realschule Plus in Maikammer angefertigt und können auch im Mitbringselshop des Dorfes erworben werden.

©Gemeinde St. Martin

©Gemeinde St. Martin