"Wir Menschen brauchen den Wald. Er stellt uns existenziell wichtige Ökosystemleistungen zur Verfügung: Er produziert Sauerstoff, speichert CO2, stellt uns Holz und Nahrung bereit, speichert und reinigt Trinkwasser, schützt vor Erosion und filtert die Luft. Wir genießen auch die kulturellen Leistungen des Waldes für Erholung, Freizeitgestaltung, Naturerlebnis, Ästhetik und Gesundheitsvorsorge. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie erleben wir eindrucksvoll, welche Bedeutung der Wald als Ort der Erholung und Entspannung hat. Wohl noch nie haben so viele Menschen den Wald aufgesucht!"

Ein Interview mit Stefan Asam 

 

Jahrgang 1965, studierte Fortwissenschaften in Göttingen. Mitte der1990er-Jahre kam er in die Pfalz. Als Forstamtsleiter von Annweiler am Trifels kümmerte er sich zunächst um die Wälder der Südpfalz. Seit 2019 leitet er die landesweit zuständige Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt an der Weinstraße und genießt besonders im Pfälzerwald die Momente absoluter Stille.

Was verbinden Sie Positives mit dem Pfälzerwald?


"Der Pfälzerwald ist für mich zu aller erst liebens- und lebenswerte Heimat. Abseits meiner beruflichen, den Pfälzerwald betreffenden Aufgaben ist die schier unendliche Weite dieses Waldgebietes für mich ganz persönlich wichtiger Ort der Entspannung und Erholung, der Entschleunigung, aber auch der sportlichen Betätigung. Bei jedem Eintauchen in den Pfälzerwald lässt sich zudem Neues entdecken: ob imposante Felsformationen, atemberaubende Ausblicke etwa vom Haardtrand in die Rheineben hinein, Gewässerläufe oder die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt."

Wie unterschiedet sich der Pfälzerwald von anderen deutschen Waldgebieten? 

"Das Besondere am Pfälzerwald sind seine Größe und seine Geschlossenheit. Von nur wenigen Verkehrswegen und Siedlungen durchbrochen, gilt der Pfälzerwald mit seiner Fläche von rund 180.000 Hektar als das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands .Geologisch vom Buntsandstein geprägt, stellt er eine einzigartige, vielgestaltige Naturlandschaft dar. Dass der Pfälzerwald als ganz besonderer Hort der Biodiversität gilt, ist Ergebniseiner verantwortungsvollen, nachhaltigen und naturnahen Waldbewirtschaftung über mehr als 200 Jahre hinweg."

Was ist das Besondere am Pfälzerwald und wie können Gäste aber auch Einheimische das vor Ort erleben?

"Etwas hervorzuheben fällt mir gar nicht so leicht. Der Pfälzerwald ist ein Eldorado für Natursportfans. An erster Stelle steht dabei das Wandern - 1.000 Kilometer Wanderwege warten auf Entdecker, teilweise hervorragend ausgeschilderte Premiumwege. Ein Highlight für Kletterer sind die bizarren Felsen im Wasgau, und auch einen Park für Mountainbiker gibt es. Ruhe suchende werden ebenso fündig wie abenteuerlustige Gleitschirmflieger. Doch das alles wäre nichts ohne die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Die zeigen sich im südländischen Flair der Pfalz gepaart mit der Gastfreundschaft einer guten Küche, ob in einer der vielen Wanderhütten oder einer Weinstube entlang der Weinstraße."

Wie kann man dazu beitragen, den Pfälzerwald zu schützen?

"Jeder Einzelne kann einen Beitrag zum Klimaschutz und damit zum Schutz des Waldes leisten und sollte diese Möglichkeit auch unbedingt wahrnehmen. Wir alle sind gefordert, unseren Lebensstil, unsere Konsummuster oder unsere Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Und natürlich gilt es auch, bei jedem Waldbesuch achtsam zu sein, Rücksicht zu nehmen auf die Natur und auch auf uns gegenseitig. Dazugehört auch - ganz einfach - seinen eigenen Müll wieder mitzunehmen!"

Stichwort Klimawandel. Wie wirkt er auf den Wald?

"Drei Hitze- und Trockenjahre hintereinander haben uns drastisch gezeigt, mit welcher Wucht und mit welcher nicht mehr beherrschbaren Geschwindigkeit der menschengemachte Klimawandel den Wald trifft. Extremwetter, Massenvermehrungen von Schadorganismen sowie die Einwanderung und Verbreitung neuer Widersacher gefährden die Bäume und damit verbundenen Lebensgemeinschaften. Grundsätzlich hat der Pfälzerwald als vielfältiger Mischwald vergleichsweise gute Voraussetzungen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Derzeit machen wir uns jedoch insbesondere große Sorgen um unsere einheimischen Buchen und Kiefern, die stark geschwächt sind und teilweise absterben. Insgesamt sind derzeit über 80 Prozent aller Bäume geschädigt. Kurzum: Der Wald hat große Atemnot und bedarf dringend unserer Hilfe."

Was können wir als Gesellschaft tun, um dem Wald bei seiner Anpassung an den Klimawandel zu helfen?

"Die große Herausforderung ist es, die Wälder überhaupt zu erhalten, darüber hinaus dann Wälder zu gestalten, die dem Klimawandel standhalten können. Baumarten wie die Fichte werden verschwinden, andere, besser an Trockenheit und Wärme angepasste Baumarten wie die Eiche oder die Edelkastanie werden sich besser etablieren können. Gelingt es gesamtgesellschaftlich nicht, dem Klimawandel endlich etwas Wirkungsvolles entgegenzusetzten, dann stehen wir auf verlorenem Posten."