Stationentheater vermittelt an historischen Stätten unterhaltsam Wissen. Markus Maier ist dabei als einziger Akteuer ganz auf sich allein gestellt. Er schlüpft in mehrere Rollen.
Der Schauspieler berichtet im Interview von Abläufen und Besonderheiten seiner Solo-Auftritte.

Zahlreiche Burgen und andere historische Bauwerke sind Attraktionen in der Pfalz. Sie sind einerseits steinerne Zeugen einer traditionsreichen und wechselvollen Geschichte. Andererseits stellen sie eine attraktive Bühne dar. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe und Tourismusbüros setzen deshalb neben Führungen auch auf Stationentheater-Aufführungen.

Der Schauspieler Markus Maier schlüpft dabei auf dem Trifels, in der Villa Ludwigshöhe und der Wachtenburg in drei Rollen, die Geschichte erlebbar machen. An allen drei Orten ist er Solo-Darsteller.

Woher kommt Ihr Interesse an historischen Themen?
Markus Maier: Wenn man hier in der Pfalz und in Speyer lebt, ist man neugierig auf spannende Orte.
Überall gibt es etwas zu entdecken. An ganz bekannten wie an versteckten, verschlafenen Plätzen. Dies ist interessant und unterhaltsam zugleich. Zudem ist die Bühne mit diesen Orten schon vorhanden und greifbar. Ich war schon immer an der Geschichte persönlich interessiert – von den alten Griechen bis heute. Mit dem Stationentheater wird ein Teil der Geschichte lebendig und erlebbar. Die historischen Plätze sind dafür wie geschaffen, während aktuelle Themen auf den Schauspielbühnen der Theater ihren optimalen Platz haben.

Die vornehmste Königsfestung der Stauferzeit steht auf dem höchsten der drei kegelförmigen Burgberge oberhalb Annweilers, dem Sonnenberg, der dreigeteilt ist - vermutlich kommt daher der Name Trifels.

Die vornehmste Königsfestung der Stauferzeit steht auf dem höchsten der drei kegelförmigen Burgberge oberhalb Annweilers, dem Sonnenberg, der dreigeteilt ist - vermutlich kommt daher der Name Trifels.

Vom Trifels hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Pfälzerwald.

Vom Trifels hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Pfälzerwald.

Sind Solo-Stücke schwerer oder leichter zu spielen? 
Beides hat seine Schwierigkeiten. Im Ensemble müssen die diversen Zahnrädchen ineinandergreifen. Hier gibt ein Wort das andere. Beim Monolog kann man im Gegensatz dazu schon einmal spontan reagieren oder Zusätzliches erzählen. Man hält sich aber auch hier trotzdem ans Skript. Die Leute sollen ja an allen Spielstätten verstehen, dass jeweils eine eigenständige Figur vor ihnen steht.  

Welche Vorbereitungen braucht es, wenn man in historischen Kulissen spielt?
Es gibt im Vorfeld eine enge Zusammenarbeit mit dem Team der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE). Diese stellt auch die Kostüme und die Technik zur Verfügung. Ansonsten wird wie auch sonst im Theater ganz normal geprobt. Dabei geht man natürlich auch die Bühne ab, sucht einen Weg und die Stationen, an denen die einzelnen Teile spielen.

Wie viel Vorlauf benötigt eine Inszenierung im Schnitt und wer bereitet den Stoff auf? Dies kann man nicht generell sagen. Beim Stationentheater für die Wachtenburg, wo ich selbst der Autor bin, kam der Auftrag im Sommer 2013. Ein Jahr später war dann die Premiere. Dazwischen lagen verschiedene Treffen in Wachenheim mit Rundgängen. Man sichtet Material wie die Stadtchronik. Man macht sich alleine auf den Weg, um Fotos zu schießen. Aus all dem ergeben sich die Eckpunkte, die das Gerüst fürs Stück bilden. Und dann geht es ans Schreiben. Das Schwerste dabei ist immer der Anfang und der Einstieg.

Wie lange sind die Inszenierungen und was macht ihren besonderen Reiz aus? 
An allen drei Spielorten dauern die Stücke rund eine Stunde. Zu Beginn wird den Zuschauern eine Einordnung gegeben. So kommt man zum Beispiel in der Pfalz an der Rede Philipp Jakob Siebenpfeiffers beim Marsch zum Hambacher Schloß nicht vorbei. Neben dem Stück steht der Ort selbst im Mittelpunkt. Beim Trifels wandern wir zum Beispiel über drei Stationen vom Verlies, das in der Inszenierung an den Südeingang gelegt wird, über die Kapelle bis in den Kaisersaal. Auf der Wachtenburg wird die ganze Burganlage einbezogen. An wichtigen Punkten werden dann die geschichtlichen Ereignisse nachgespielt.

Welche Rolle spielt zeitgenössische Musik oder Gesang?
Ich singe an der einen oder anderen Stelle selbst. Es gibt aber keine Musik, die live oder aus der Konserve gespielt wird. Dies ist den Umständen geschuldet, die Stationentheater an historischen Orten ausmachen. Hier wird kaum Technik eingesetzt. Ich benötige beispielsweise kein Mikrofon und Lautsprecher, weil ich alles mit meiner Stimme bewältigen kann. 


Haben Sie eine persönliche Lieblingsfigur in den drei Inszenierungen?
Nein, die sind mir alle gleich wichtig. Es ist die Faszination der Orte, die das Besondere am Stationentheater ausmachen. Zudem arbeite ich an Orten, an denen andere Menschen Urlaub machen. Die Geschichte von der Befreiung des Richard Löwenherz auf dem Trifels erzähle ich als Troubadour Blondel. In der Villa Ludwigshöhe bin ich der Biograph von Ludwig I., dem kunstsinningen König. Und in Wachenheim spiele ich eine Fantasiefigur, die die Aufgabe hat, bis zum Jahr 3000 den wahren Schatz aufzuzeigen.

Wie bindet man das Publikum in die Inszenierungen ein?
Dies geschieht fast automatisch über die entspannte Atmosphäre in den faszinierenden Spielstätten. Geschichte lebt hier und dies funktioniert. Es gibt zum Beispiel keine Besucher, die auf ihrem Smartphone rumspielen, selbst wenn Schulklassen kommen. Ich muss mit hoher Energie agieren, damit mein Sendungsbewusstsein rüberkommt. Im Monolog kann ich mich ja nicht verstecken. Es ist eben diese Spannungsenergie, die sich überträgt und dafür sorgt, dass die Leute dranbleiben. Ich bekomme als Akteur zurück, wie begeistert die Leute sind. Es gibt konkretes, direktes Feedback nach dem Stück. Dieses ist anrührend, manchmal mit Tränen in den Augen oder aber total begeistert.

Weithin sichtbares Wahrzeichen Wachenheims ist die Burgruine Wachtenburg. Auf dem Geländer der Burgruine befindet sich eine Burgschänke, die Pfälzer Wein und Gerichte anbietet.

Weithin sichtbares Wahrzeichen Wachenheims ist die Burgruine Wachtenburg. Auf dem Geländer der Burgruine befindet sich eine Burgschänke, die Pfälzer Wein und Gerichte anbietet.

Die Aussichtsplattform des restaurierten Bergfrieds der Wachtenburg bietet einen herrlichen Blick über die Rheinebene.

Die Aussichtsplattform des restaurierten Bergfrieds der Wachtenburg bietet einen herrlichen Blick über die Rheinebene.

TIPP: Der Trifels diente während der Stauferzeit als Staatsgefängnis, der berühmteste Gefangene war der englische König Richard Löwenherz. 
Ausstellung „Richard Löwenherz: König-Ritter-Gefangener” vom 17.09.2017 – 15.04.2018 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

TIPP: Die Geschichte der Pfalz lässt sich auch auf zahlreichen weiteren Burgen und Schlössern in der Urlaubsregion Deutsche Weinstraße hautnah (mit-)erleben.

Das Gesicht des Theaters

Markus Maier ist als Solo-Schauspieler das Gesicht des Stationentheaters in der Pfalz – seit 2007 in der Villa Ludwigshöhe, seit 2010 auf dem Trifels und seit 2014 auf der Wachtenburg. Der 1969 in Speyer geborene Maier hat von 1992 bis 1996 an der Freiburger Schauspielschule studiert und seinen staatlichen Abschluss gemacht. Seitdem ist er an diversen Bühnen vom kleinen Privattheater bis zu großen Staatshäusern aktiv. Von 2006 bis 2013 hatte er einen Lehrauftrag für Darstellendes Spiel an der Integrierten Gesamtschule Kandel. Neben der Schauspielerei arbeitet Maier auch als Autor. So hat er die Texte für die Stationentheater in Wachenheim selbst verfasst und inszeniert.

Orte des Schauspiels

Die Befreiung des Richard Löwenherz”
Annweiler: Ein Stationentheater führt auf dem Trifels durch Burg und Geschichte.
Termine: samstags (Treffpunkt Kasse) von Anfang Mai bis Ende Oktober.
Anmeldung: 06346 8470
Infos unter: www.burgen-rlp.de

„Der kunstsinnige König”
Edenkoben: Ein Stationentheater führt auf der Villa Ludwigshöhe durch Geschichte und Kunst.
Termine: sonn-und feiertags von April bis Ende November
Anmeldung: 06323 93016
Infos: schloss-villa-ludwigshoehe.de

„Wachenheim im Sturm der Zeit”
Wachenheim: Ein Ausflug in die Vergangenheit auf der Wachtenburg.
Termine: sonntags von Mai bis Oktober
Anmeldung: 06322 9580801
Infos: wachenheim.de/schauspiel.html

Alle drei Theateraufführungen dauern rund eine Stunde. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird jeweils eine Reservierung empfohlen.