Die Pfalz: international und kollegial

Drei Fragen an die Kellermeister Chie Sakata aus Japan und Nicola Libelli aus Italien

Sie haben internationale Erfahrungen und arbeiten in der Pfalz: Immer häufiger kommen junge Weinexperten aus Kalifornien, Australien, Neuseeland, Spanien oder Italien in Pfälzer Weingüter für Praktika oder um hier zu arbeiten. Sie sind angelockt von exzellenten Weinen, dem aktuellen Trend zum Riesling und den neuen, eleganten Spätburgundern der Pfalz. Manche bleiben, verführt vom Qualitätsbewusstsein und kollegialem, offenem Austausch untereinander.

 

 

 

CHIE SAKATA aus Japan, Kellermeisterin im Weingut Bernhard Koch, Hainfeld

Frau Sakata, bitte erzählen Sie wie Sie zum Weinbau und in die Pfalz gekommen sind.
Ich hatte in Japan überhaupt nichts mit Weinbau zu tun. Nach dem Abitur kam ich an den Bodensee um Deutsch zu lernen und nach einem Weinbau-Praktikum im Rheingau wusste ich sehr schnell: Das passt. Dann habe ich eine Lehre gemacht, an der Nahe, in der Steiermark, in Südafrika und in Neuseeland gearbeitet und schließlich in Weinsberg ein Technikerstudium absolviert.

Hier im Weingut Koch konnte ich dann schnell den Keller übernehmen und bin sehr froh, dass ich mitwirken darf. Ich liebe besonders unsere wunderschönen Spätburgunder.

 

Was bedeutet für Sie Qualität in der Kellerarbeit?

Es ist typisch und interessant in der Pfalz, dass es viele verschiedene Weinsorten gibt. Für mich ist wichtig, wie die Weine der jeweiligen Region und die einzelnen Sorten schmecken, aber auch zu fragen »Worauf will der Winzer mit seinem Wein hinaus?« Deswegen bin ich froh, dass wir alles selbst machen und viel ausprobieren, um Stil und Charakter unserer Weine spürbar zu machen. Gerade beim Spätburgunder ist mir wichtig, dass er nicht opulent ist wie früher, sondern elegant und filigran. 12 oder 12,5 Volumenprozent sind genug, dann kann man seine Finesse herausarbeiten, die feine Säure ausbalancieren und das Holz im Hintergrund spüren. Und es gehört auch dazu, dass ich mit Bernhard Koch einen sehr erfahrenen Chef habe und unser Team ausgezeichnet zusammenarbeitet.

 

Sie gehören selbst zu den hochgelobten jungen Weinexperten in der Pfalz. Wie schätzen Sie den Weinbau und den Pfälzer Wein heute ein?

Die Pfalz wird internationaler. Ich finde, die Leute sind sehr offen und qualitätsbewusst, und sie haben Mut. Dadurch habe ich als Quereinsteigerin schnell viel Verantwortung bekommen. Die Kunden sind sehr vielschichtig und interessiert und auch viele junge Leute haben Interesse an Geschmack, Kochen und gutem Wein. Der Riesling ist immer noch sehr deutsch, ich bin neugierig, welche Erfahrungen wir hier in Zukunft noch machen werden.

 

 

 

NICOLA LIBELLI aus Italien, Kellermeister des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf, Wachenheim

Herr Libelli, bitte erzählen Sie, wie Sie zum Weinbau und in die Pfalz gekommen sind.

Ich wollte schon immer Landwirt werden. Weil es in Italien leider keine solche Ausbildung wie hier in Deutschland gibt, habe ich in Weingütern in der Emilia Romagna gearbeitet und anschliessend in Piacenza Weinbau studiert. Nach einer Zeit in Spanien und in Kalifornien habe ich meinen Master angehängt und war dafür auch zwei Semester in Geisenheim. Während meines Praktikums beim Weingut Von Winning in Deidesheim 2009 war ich der einzige ausländische Student, inzwischen sind deutsche Weingüter und Hochschulen sehr beliebte Ziele geworden. Zu Bürklin-Wolf kam ich 2010 für ein Praktikum und bin 2012 nach dem Tod des damaligen Kellermeisters Fritz Knorr verantwortlich für jene Position geworden.

 

Was bedeutet für Sie Qualität in der Kellerarbeit?

Die Basis sind gute Trauben. Die Hauptarbeit dafür wird im Weinberg gemacht und wir bekommen perfekte Qualität in den Keller. Bürklin-Wolf wirtschaftet bereits seit fast zehn Jahren bio-dynamisch und macht damit sehr gute Erfahrungen. Diese Wirtschaftsweise ist für uns ein Instrument um Gleichgewicht und Harmonie in unsere Produktion zu bekommen und lebendige Weinberge mit lockerem Boden und vielfältigem Leben zu erhalten. Mit unseren gesunden und auf den Punkt gelesenen Trauben versuchen wir vom Basis-Segment bis zu den Top-Gewächsen 1A-Weine zu produzieren. Im Keller pressen wir jede Parzelle separat ab, lassen vieles spontan vergären und machen vor dem Füllen nicht viel, um komplexe Weine zu erhalten. Für die Spontangärung braucht man allerdings manchmal gute Nerven. Auf unseren Wein bin ich sehr stolz, ebenso wie auf unser Team, das viel probieren und experimentieren darf.

 

Sie gehören selbst zu den hochgelobten jungen Weinexperten in der Pfalz. Wie schätzen Sie den Weinbau und den Pfälzer Wein heute ein?
Der Riesling ist stark zurück in der Szene, die deutschen Winzer haben viel vorangetrieben in den vergangenen Jahren und ich spüre ein großes Interesse an deutschen Weinen und am Weinbau. Die Region hier ist für mich Bundesliga und ich denke, unter dem Label Pfalz kann sie auch international außerordentlich erfolgreich sein. Für mich ist es sehr inspirierend, mich mit jungen Winzerkollegen aus dem Verein der Jungwinzer auszutauschen. Wir treffen uns häufig, probieren gemeinsam eigene und fremde Weine und diskutieren viel. Diese aktive und offene Haltung bringt uns alle weiter und motiviert uns sehr.

 

>> ZURÜCK